
December 3, 2012
Meine BPRA Studie hat gezeigt, dass die Schweizer PR-Berater über zu wenig persönliche Praxiserfahrung mit relevanten Webplattformen verfügen. Sind PR-Berater und Kommunikationsprofis ganz einfach digitale und soziale Muffel?
In den vergangenen Tagen habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wieso sich die meisten PR-Berater und Kommunikationsprofis so schwer damit tun, mit dem raschen digitalen, sozialen und mobilen Wirtschafts- und Gesellschaftswandel mitzuhalten.
Um die oben gestellte Frage zu beantworten. Nein, die meisten der Kommunikationsprofis, die ich persönlich kenne, sind durchaus experimentierfreudige Nutzer von digitalen, sozialen und mobilen Plattformen, Services und Technologien. Sie experimentieren jedoch in erster Linie im privaten Kontext und übersetzen diese Erfahrungen nicht auf ihren Beruf. Das ist unter anderem ein Grund dafür, wieso die meisten Kommunikationsprofis zwar auf Facebook aktiv sind (dort sind ihre Freunde), statt auf Google+ (das wäre relevant für ihre Arbeit).
Was sind also die unter der Oberfläche liegenden Gründe dafür, wieso sich Kommunikationsprofis so schwer tun mit dem digitalen Wandel?
Die meisten Kommunikationsprofis, die ich in den vergangenen elf Jahren kennengelernt habe, sind auf ein spezifisches Thema, eine spezifische Disziplin, spezialisiert. Ich kenne (neben vielen weiteren) Experten für Medienarbeit, Krisenkommunikation, interne Kommunikation, Gesunheitskommunikation oder Public Affairs.
Die ganz Beflissenen unter ihnen versuchen in ihrem Spezialgebiet am Puls der Zeit zu bleiben. Sie versuchen zum Beispiel zu verstehen, wie Social Media die Medienarbeit oder die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten beeinflusst. Die meisten Experten tun aber nicht einmal das. Die meisten konzentrieren sich seit Jahren auf das, was sie kennen, und wo sie sicher sind, gegenüber Kunden oder anderen Kommunikationsprofis einen Eindruck als absoluter “Experten” zu hinterlassen.
Wo das hinführt ist offensichtlich. Geschäfts- und Kommunikationspielfeld verändern sich rasant. Wer seine Kommunikationsexpertise nicht laufend erneuert und erweitert, wird irgendeinmal nutzlos.
Ein Grund dafür, wieso sich so viele Kommunikationsprofis seit Jahren ausschliesslich in ihrer eigenen Komfort-Zone bewegen können, sind digitale Strategen und Social Media Experten.
Die meisten von ihnen machen es ihren Kommunikationskollegen schlicht zu einfach. Anstatt diese tagtäglich dafür zu motivieren und zu schulen, um sich selbst mit dem digitalen Wandel und dessen Konsequenzen für die entsprechende Kommunikationsdisziplin auseinanderzusetzen, übernehmen sie diesen Part für ihre Kollegen. So stärken sie ihre eigenen Positionen. Sie werden zu wertvollen Allroundern in Agenturen und Kommunikationsabteilungen. Gleichzeitig verhindern sie so aber, dass Agenturen und Kommunikationsabteilungen als Ganzes erfolgreicher arbeiten.
Was haben Apple, Google und Amazon gemeinsam? Sie sind unglaublich innovativ und unglaublich erfolgreich. Das kommt nicht von ungefähr. Diese Firmen investieren konsequent in Forschung und Entwicklung. Google zum Beispiel gewährt allen Mitarbeitern einen Tag pro Woche, um sich mit persönlichen Forschungsprojekten auseinanderusetzen. Aus solchen persönlichen Projekten sind Dienstleistungen wie Google Maps oder das Projekt Glass entstanden.
Was für diese globalen Unternehmen gilt, gilt schlussendlich für jeden Kommunikationsprofi.
Kommunikationsprofis, die erfolgreicher werden wollen, müssen stärker wie Forscher denken und arbeiten.
Google ist natürlich ein extremes Beispiel. Die wenigsten Komunikationsprofis werden je in den Genuss von einem Tag Zeit pro Woche für Forschung und Entwicklung kommen. Das ist aber auch nicht die Voraussetzung. Schon wer sich 15 Minuten pro Tag mit neuen Technologien auseinandersetzt, wird für sich und seinen Arbeitgeber einen nachhaltigen Wert generieren.
Publiziert von Daniel Jörg.
Tags: Agenturen, Amazon, Apple, Beratung, Digitaler Wandel, Experimentieren, Expertise, Forschung und Entwicklung, Gesundheitskommunikation, Google, Innovation, Kommunikationsabteilung, Kommunikationsprofi, Krisenkommunikation, Medienarbeit, PR, Public Affairs
© 2013 Daniel Joerg | Theme by Eleven Themes
[...] bin der Überzeugung, dass PR- und Kommunikationsprofis stärker wie Forscher denken und zu arbeiten müssen. Nur so werden sie den durch digitale, soziale und mobile Technologien getriebenen Wandel [...]
[...] Wir haben in vielen Unternehmen zunächst einen riesigen Bedarf an Leuten, die Onlinekommunikation verstehen, laufend dazu lernen, ausprobieren und nicht von den bisher üblichen analogen Kommunikationsmustern ausgehen. Deshalb sehe ich [...]
[...] vertieft Daniel Jörg das Praxis-Thema und zeichnet ein Bild vom Kommunikationsprofi, der mit einem Forschungsansatz an seine Arbeit herangeht. Spannend, aber dem Zukunfts-Thema gemäß eben auch weit vom Alltag in [...]
Das sehe ich in vielen Bereichen immer wieder: Es wird viel zu wenig über den Tellerrand geschaut und einmal etwas ausprobiert. Gerade aber bei PRlern überrascht mich das immer wieder.
Denn sollten nicht gerade die für ihre Kunden (externe oder interne wie den CEO) Trend Scouts sein, um denen immer etwas anbieten zu können, was die Konkurrenz noch nicht hat?
Wie siehst Du das?
@Frank – Du sagst es. Alle Kommunikationsberater (PR, Werbung, Social Media) sollten immer die Augen nach relevanten Entwicklungen offen halten und sich aktiv damit auseinandersetzen. Ich denke es geht gar nicht umbedingt darum “etwas anbieten zu können, was die anderen noch nicht haben”, sondern schlicht und einfach darum, den Kernjob – und das ist Kommunikation – möglichst wirkungsvoll zu machen. Das dürfte der Kunde eigentlich erwarten.
Da stimme ich Dir zu, es geht nicht darum mehr als die Konkurrenz anzubieten sondern das passende für den Kunden. Wobei ich auch abwägen sollte, etwas auszuwählen, was meinen Kunden gegenüber seiner Konkurrenz hervorhebt beziehungsweise im einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft?
P.S. Die Benachrichtigung per Email hat einen falschen Link. Der geht auf wwww.danieljoerg.com
@Frank klar, schaden tut’s nicht, wenn man was anbieten kann, was die Konkurrenz nicht hat. Oder die Konkurrenz des Kunden
Danke für den Hinweis wegen Link. Werde mal schauen, ob man das irgendwo einstellen kann.
[...] Zustimmend genickt habe ich beispielsweise bei der Lektüre der Posts von thefeldstudien, danieljoerg und Gedankenspiele. Das Wichtigste ist weitestgehend gesagt, die Schwierigkeiten der [...]