Das neue Myspace konkurriert Spotify, SoundCloud und TopSpin, nicht Facebook

Ich weiss, kaum spricht man heute von Myspace, lächeln die meisten Leute nur noch. Und eigentlich zu Recht. Das ehemals grösste Social Network hat sich durch selten beharrliche Innovationsverweigerung selbst ins Abseits des sozialen Webs manövriert. Ein Schlussstrich unter diese traurige Entwicklung wurde letztes Jahr gesetzt, als der mit Bannerwerbung verschandelte Social Media Friedhof MySpace von Specific Media (ausgerechnet ein Werbevermarkter!) gekauft wurde. Mit im Boot bei SpecificMedia ist übrigens auch Justin Timberlake. Ja, der Justin, der mal sang und tanz und jetzt Golft spielt. Oder eben in Webprojekte investiert. Das ist das definitive Ende, habe auch ich gedacht.

Bis Justin vor zwei Wochen das hier zwitscherte:

Das Teaser Video lässt erkennen, dass die neuen Besitzer erkannt haben, was seit jeher die Seele von Myspace war: Musik. Und Sie haben auch erkannt, dass es nicht ausreicht Myspace einfach in ein neues, zeitgemässes Kleid zu packen. Sie mussten es komplett neu bauen. Für eine Welt, in der die kreative Webcommunity Musik auf Spotify streamt, und sich mit Social Media vor allem auf dem Smartphone und in Form von Bildern und Videos auseinandersetzt.

Ich bin überrascht, wie gut ihnen das gelungen ist. Genauso wie Co.DESIGN glaube ich, dass Myspace eine echte Chance auf ein Comeback hat. Insbesondere auch, weil es nicht Facebook konkurriert, sondern verschiedene Musikplayer wie Spotify, Soundcloud und TopSpin. Und zwar mit folgenden Verbesserungen des Online-Musikerlebnisses:

1. Myspace definiert einen komplett neuen Look für Musik im Web

Auf Spotify kann man zwar unendlich viel Musik hören, das visuelle Erlebnis ist jedoch enttäuschend. Das neue Myspace kombiniert die Musikstreaming Funktionen von Spotify mit dem visuellen Erlebnis von Instagram oder Tumblr. Der Fokus aufs Visuelle wird unterstützt durch ein horizontales Browsing, was in Anbetracht des Siegeszugs von Breitbild Laptops, connected Flatscreen TVs, Tablets und Smartphones nur Sinn macht.

2. Playlists and Mixes für Jedermann

Soundcloud ist ne Super Musik Community, aber auch sehr Electronica lastig. Zudem hat der Berline Musikservice irgendwie den Trend zu Playlists und Mixtapes verschlafen. Eine ordentliche Playlist Funktion wird erst im kommenden Next Soundcloud enthalten sein. Wenn die Mixtape Funktion von Myspace so toll sein wird, wie es im Teaser Video den Anschein macht, dann hat sie eine gute Chance ein Killer-Feature zu werden.

3. Gute gratis Marketing Tools für Musiker

Mit dem neuen Myspace werden Bands und Künstler Zugriff auf dynamische Statistiken haben, anhand deren sie einfach erkennen können, in welchen Städten ihre Musik am meisten gehört wird und wer ihre treusten und aktivsten Fans sind. Diesem inneren Fankreis können Bands dann exklusive Songs, Fotos und Videos verfügbar machen. Ein Feature, für das man bei Firmen wie TopSpin gutes Geld bezahlt. TopSpin legt den Fokus sowieso sehr stark auf Direct to Fan Verkauf, was aber für die meisten Künstler noch gar kein wichtiges Thema ist. Für die steht einfaches und effizientes Mareting noch im Vordergrund.

4. Einfacher neue Musik entdecken

Auch das soziale Element ist auf Spotify enttäuschend. Wenn ich sehen will, was meine Freunde hören, dann muss ich vom Spotify Desktop Player zu Facebook wechseln. Auf der Spotify Mobile App ist das soziale Element sozusagen inexistent. Und wenn ich mir die News Empfehlungen in meinem Spotify Client anschaue, dann bezweifle ich, wie viel Spotify wirklich über meinen persönlichen Geschmack, und denjenigen meiner Freunde weiss. Genau diese Lücke will das neue Myspace auch füllen. Mit einer ganzen Reihe von Funktionen, welche das Entdecken von Musik zu einem echten sozialen Erlebnis machen sollen. "Discovery was something we wanted to nail" sagte Tim Vanderhook von SpecificMedia zu Co.DESIGN.

Egal wie viel man den neuen Myspace Machern zutraut, man darf also wirklich gespannt sein. Die Zeit ist jedenfalls reif für einen Anbieter, der ein echtes soziales Musikerlebniss schafft. Wieso soll dieser Anbieter nicht das totgeglaubte Myspace sein? Totgeglaubte leben ja bekanntlich länger.