Der Trend zur Content Strategie wäre eine Riesenchance für die WPP Gruppe

Martin Sorrell ist Gründer und CEO der WPP Gruppe, dem grössten Kommunikationskonzern der Welt. Zu WPP gehören hunderte verschiedener Werbe-, PR- & Web-Agenturen und Marktforschungsfirmen. Schwergewichte wie JWT, Ogilvy & Mather und Burson-Marsteller und kleine agile Kreativ-Shops.

Sir Martin Sorrell ist bekannt für seinen Weitblick. Er hat einen guten Riecher für gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Veränderungen und Dynamiken. Ich habe das einmal selbst erlebt, als ich bei einem seiner berühmten "The State of the World"  Speeches an der WPP Stream Konferenz in der ersten Reihe sass. Der Mann hat vor gut 500 Menschen einfach eine Stunde lang seine Gedanken mitgeteilt. Ohne Slides, ohne Zettel, ohne sichtbare Struktur. Dennoch war es so ziemlich der beste Speech, den ich je gehört habe. Es war als würden wir alle einfach einem sehr weisen Mann beim Selbstgespräch zuhören.

Seit diesem Tag lese ich eigentlich jedes Interview mit Martin Sorrell. So auch letzte Woche, als ich über das Gespräch gestolpert bin, welches er unter dem Titel "What's next" mit dem Hardvard Business Review geführt hat. In diesem Gespräch hat er zwei Aussagen zur kommunikativen Bedeutung von Social Plattformen wie Facebook und Twitter gemacht, die mich zum ersten Mal an seiner Weitsicht zweifeln lassen.

Auch Martin Sorrell denkt in Kommunikationsgärtchen

Auf die Frage: Und was ist mit Social Media? Ist Facebook ein wirksames Werbemedium? gab er folgende Antwort:

"Facebook ist kein Werbemedium. Es ist ein Branding Medium." 

Auf die Frage: Was ist mit Twitter? antwortete er wie folgt:

"Twitter ist ein PR Medium. Dem Medium fehlt tiefe. "

Was ist falsch an diesen Aussagen?

Nun, sie zeigen, dass auch globale Denker wie WPP CEO Martin Sorrell nicht vor kommunikativem Gärtchendenken gefeit sind:

  • Herr Sorrell unterteilt das Kommunikationsspielfeld nach Plattformen und Kommunikationsdisziplinen. Für ihn ist ein Medium entweder ein Werbe-, ein PR- oder ein Branding Medium.
  • Er betrachtet jedes Medium als isolierte Plattform und sieht nur, was dieses auf seiner eigenen technischen Domäne bietet. Twitter (wie die meisten anderen Social Media Plattformen auch) kann aber nicht isoliert betrachtet werden. Im Gegensatz zu einer Zeitung oder einem TV Kanal hat der Dienst keine eigentliche Grenze in seiner technischen Domäne. Was meine ich damit? Nun, was Twitter aus Kommunikationsperspektive so interessant macht, ist dass es basierend auf persönlichen Interessen Verbindungen zwischen Menschen und Inhalten über die unterschiedlichsten Medien- und Plattformtypen hinweg spinnt. Via Twitter finde ich die besten Apps, die besten Blogposts, die besten Zeitungsartikel, die beste Musik. Twitter ist ein Kompass, kein geschlossenes Gefäss. Twitter's Potential sind nicht die 140 Zeichen und die eingebundenen Multimediainhalte in einem einzelnen Tweet. Was Twitter einzigartig macht, ist dass es Menschen via Links, Hashtags und Retweets näher zu Inhalten bringt, die sie interessieren, egal wo im Web diese zu finden sind.
  • Er betrachtet das Kommunikationsspielfeld nach wie vor aus der Sender-Perspektive. Anstatt sich die Frage zu stellen, weche Plattform am besten dafür geeignet ist, um Werbung, Branding oder PR für eine Marke zu betreiben, sollte er darüber nachdenken, welchen Nutzenerlebnisse die Menschen im Web suchen, und welchen Beitrag Marken dazu leisten können. Das ist der kommunikative Paradigmenwechsel, der sich hinter dem Schlagwort "Content Strategie" versteckt.

Gärtchendenken verhindert integrierten Kommunikationserfolg

Hier geht es nicht in erster Linie um Begrifflichkeiten. Mit diesem Gärtchendenken verkennt Sir Sorrell nicht nur die Kommunikationsrealität aus Sicht der Nutzer, er vergibt damit eine grosse Business Opportunity. Wie Herr Sorrell am Schluss des Gesprächs sagt, sorgt er sich um die Kooperation unter den verschiedenen der WPP angehörigen Kommunikationsprofis.

Die WPP Gruppe mit all ihren spezialisierten Kommunikationsagenturen wäre bestens positioniert, um plattformunabhängige Nutzenerlebnisse basierend auf einzigartigen Inhalten in den unterschiedlichsten Themenbereichen zu schaffen. Wäre dies allen WPP Profis klar, würden sie auch besser zusammenarbeiten.

In anderen Worten: Die WPP Gruppe wäre bestens positioniert, um den Wechsel zu Content Strategien als Chance zu nutzen. Solange die Spitze des Konzerns aber noch in kommunikativen Gärtchen denkt, wird das nicht gelingen.

Publiziert von . Bild via Miniatur-Wunderland.de