Facebook führt Hashtags ein - verkennt aber den eigentlichen Nutzen der Raute

Nun ist es endlich soweit. Auch Facebook führt Hashtags ein, wie das Unternehmen vorgestern Abend bekanntgab. Nicht für alle Nutzer per sofort, aber der Rollout hat bereits begonnen. Für die Unternehmens- und Markenkommunikation hätte das zu einem echten Game-Changer werden können. Aber wie so oft ist Facebook auch diesmal etwas zu wenig konsequent.

Hashtags organisieren öffentliche Konversationen

Auf Facebook finden täglich Millionen von Diskussionen rund um all die Themen statt, welche die Menschen beschäftigen. Zur TV Hauptsendezeit diskutieren alleine in den USA jeden Abend zwischen 88 und 100 Millionen Amerikaner, was sie sich gerade im TV angucken, wie Facebook in der offiziellen Ankündigung schreibt.

Dasselbe findet natürlich auch unter den rund 3 Millionen Schweizer Facebook Nutzern statt. Hierzulande spricht man dann halt nicht über "Game of Thrones" sondern über Fernsehereignisse wie das Finale von Germany's Next Topmodel, The Voice of Switzerland oder einfach nur den sonnabendlichen (danke für den Hinweis @mmmatze) Tatort am Sonntag Abend. Man spricht aber auch über die ausserordentliche Ergebnisse von Abstimmungen (ich kann mich noch gut an meinen Newsfeed am Tag nach der Minarett-Abstimmung erinnern), Sport-Events und über einschneidende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ereignisse.

Der Unterschied von Hashtags auf Facebook zu Hashtags auf Twitter

Bis jetzt gab es keine Möglichkeiten Facebook Updates zu solchen Konversationen gezielt zu suchen und zu verfolgen. Aus genau diesem Grund war auch die mit Trommelwirbel angekündigte Graph Search für Marken und Marketers bisher weitgehend nutzlos. Und genau darum hat sich Twitter und eben nicht Facebook zum wichtigsten Diskussions-Kanal rund um Ereignisse etabliert. Twitter hat genau daraus ein überaus profitables Konversations-Werbemodell entwickelt. Dessen rasanten Siegeszug habe ich hier beschrieben.

Facebook will offensichtlich auch ein Stück von diesem Werbekuchen, aber so schnell wird es Twitter den Rang als das Echzeit-Konversationsmedium nicht streitig machen können. Und zwar aus folgendem Grund:

Wenn ich auf Twitter nach einem Hashtag suche oder auf ein Hashtag klicke, dann sehe ich, was die gesamte zwitschernde Welt zu diesem Thema zu sagen hat. Auf Facebook werde ich in erster Linie sehen, was meine Freunde zum gleichen Thema sagen. Warum?

Gemäss den Angaben aus der Mitteilung und der verlinkten Help Section, wird man als Faceobook Nutzer in einem ersten Schritt lediglich die Konversationen um ein Hashtag sehen, welche mit einem persönlich geteilt wurden. Was heisst das konkret?

Wenn ich selbst ein Status Update veröffentliche, kann ich angeben, mit wem ich den Beitrag teilen will. Die meisten Nutzer posten immer mit der Grundeinstellung - d.h. sie teilen nur mit ihren Freunden.

[caption id="attachment_2577" align="aligncenter" width="551"]Facebook Posts sind normalerweise immer privat Facebook Posts sind normalerweise immer privat[/caption]

In einem ersten Schritt machen Hashtags auf Facebook also lediglich Konversationen innerhalb von Freundeskreisen sichtbar.

Eine verpasste Chance & ein einfacher Korrekturvorschlag

Für mich als privaten Nutzer kann es zwar in besonderen Fällen interessant sein lediglich zu sehen, was meine Freunde zu einem Thema denken, dennoch finde ich Facebook verpasst mit dieser Art der Hashtag Einführung nicht nur eine grosse Chance, sondern verkennt den eigentlichen Sinn von Hashtags.

Hashtags bringen Menschen über Themen zusammen. Menschen, die man bis jetzt nicht kannte, die sich aber für dasselbe Thema interessieren. Das ist es, was Millionen Nutzer an Twitter (Tumblr, Pinterest, Google+, Instagram & Vine) so lieben - und was ihnen Facebook auch mit dieser Hashtag Integration nicht ermöglicht.

Dies gesagt, hier mein Vorschlag wie Facebook die Hashtag Einführung korrigieren sollte: Change the Default. Will heissen: Facebook sollte einen Automatismus einführen, der sobald ein Nutzer seinem Statusupdate ein Hashtag hinzufügt, die Default Einstellung zum Teilen des Posts von "Freunde" auf "öffentlich" wechselt. Natürlich, so dass der Nutzer das sieht und nach Wunsch wieder auf "Freunde" zurückstellen kann. Auf diese Art könnte Facebook zu einer wirklich interessanten Plattform von "Public Conversations" werden, wie das Unternehmen in der Medienmitteilung schreibt.

Und wenn sich Nutzer dann wirklich nur die Konversationen ihrer Freunde zu einem bestimmten Hashtag ansehen wollen, dann ist es ja ein leichtes eine entsprechende Filter-Option anzubieten.

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