Facebook vergrault Seitenbetreiber mit Promoted Posts und Intransparenz über EdgeRank Manipulierungen

Im Vorfeld des Facebook Börsengangs im Mai dieses Jahres hat Mark Zuckerberg in einem Brief an die Aktionäre folgendes gesagt:

Wir entwickeln keine Services, um Geld zu verdienen, wir verdienen Geld, um Services zu entwickeln.

Knapp ein halbes Jahr später ist von dieser Hacker-Romantik nichts mehr zu spüren. Seit dem Börsengang verwendet Facebook sehr viel Energie und Ressourcen darauf, Services zu entwickeln, die für nichts anderes Gut sind als Geld zu verdienen. Ein paar Beispiele gefällig? Facebook ExchangeMobile Ad PlattformApp Werbung, Sponsored Search Results und eine Partnerschaft mit Datalogix, die es Facebook ermöglicht in Erfahrung zu bringen, ob wir offline Dinge kaufen, für die wir auf Facebook Werbung gesehen haben.

Klar, Facebook verdient Geld mit Werbung und tut gut daran, seine Werbeservices zu optimieren und diversifizieren. Solange dies das allgemeine Nutzererlebnis nicht negativ beeinflusst, ist das auch kein Problem.

Hier kommen wir auf eine weitere Werbeinnovation aus dem Hause Facebook zu sprechen: Promoted Posts.

Wenn man eine Facebook Seite mit 1'000 "Gefällt mir" Angaben betreibt, erreicht man heute mit seinen Beiträgen im Schnitt gerade einmal 150 der 1'000 "Fans" (15%). EdgeRank nennt sich der Filter, mit dem Facebook entscheidet, welche Beiträge im Newsfeed seiner Nutzer angezeigt wird.

EdgeRank gab es schon immer, bis zum 20. September 2012 war der Algorithmus jedoch weit weniger selektiv. An diesem Datum hat Facebook die organische Reichweite von Seiten jedoch bewusst gesenkt und die neue Werbeform "Promoted Posts" lanciert. EdgeRank Checker hat ein paar sehr schöne Grafiken dazu.

Facebook will nun also Geld dafür, dass Betreiber von Seiten ihre "Fans" überhaupt erst erreichen.

Wenn das von Anfang an so kommuniziert worden wäre, würde sich wohl niemand echauffieren. Genau darin liegt aber das Problem. Facebook hat das natürlich nie kommuniziert. Facebook Seiten wurden Unternehmen, Bands, NGOs und Marken stets als die beste und natürlichste Art und Weise angepriesen, um einen direkten Draht zu ihren Fans, Kunden und Anspruchsgruppen aufzubauen. Viele Unternehmen haben denn auch hunterttausende von Franken in den Aufbau ihrer Facebook Community investiert. In erster Linie mit Facebook Ads. Und genau diese Kunden sollen nun noch einmal dafür bezahlen, um die Community zu erreichen, für deren Aufbau sie bereits Geld bezahlt haben.

Mit Intransparenz und schlechter Kommunikation hat Facebook einmal mehr seine Nutzer verärgert. Verständlicherweise ist die Empörung gross, und der Widerstand beginnt sich in Form der "I want my Friends back" Kampagne zu formieren.

Das Einzige was von der Hacker-Mentalität geblieben ist, ist mit wie wenig Sorgfalt Facebook seine Absichten kommuniziert.

Das Markenversprechen des blauen Riesens erscheint heute vielen Betreibern von Facebook Seiten wie ein Hohn.

[caption id="attachment_1157" align="aligncenter" width="720"]Facebook's Markenversprechen: Facebook helps you connect and share with the people in your life Facebook's Markenversprechen: Facebook helps you connect and share with the people in your life[/caption]

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