Liebe Stadt Bern: Als Stimmbürger würde ich mich über weniger Papier und mehr Innovation bei Wahlen und Abstimmungen freuen

Für die Berner Gemeindewahlen vom 25. November 2012 haben die lokalen politischen Parteien und Gruppierungen wieder einmal ordentlich Papier für Propagandamaterial verschwendet. 24 Broschüren, Faltzettel oder Miniposter wurden gedruckt und an die Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger versendet. Ich bin überzeugt, dass der Grossteil der Papierunterlagen ungelesen im Müll (ganz schlecht) oder in der Papierentsorgung (zumindest nicht ganz so schlimm, aber immer noch unnötig) landen werden. Die einzigen, die sich über die Papierflut freuen dürften, sind die Grafikagenturen und Druckereien, die damit ein paar Franken verdienen.

Liebe Stadt Bern: Ich verstehe, dass E-voting eine komplexe Geschichte ist. Darum lasse ich dieses Thema gleich mal weg. Aber wie kann es sein, dass wir mittlerweile die Steuererklärung online ausfüllen können, jedoch nicht wählen dürfen, ob wir Propagandamaterial für Wahlen und Abstimmungen in Papier- oder elektronischer Form erhalten möchten?

Die freiwillige Abmeldung von der Papiersendung wäre eine Chance. Sie würde es der Stadt Bern ermöglichen, mit neuen, effizienteren Kommunikations- und Informationsinstrumenten zu experimentieren. Instrumente, die politische Botschaften effizienter an mehr Menschen vermitteln können. Instrumente, die für viele Stimmbürger auch die Freude an der Auseinandersetzung mit politischen Themen wieder steigern könnten. Videos wären so ein Instrument.

Was halten Sie von folgender Idee?

  • Jede zur Wahl stehende Partei oder Gruppierung produziert ein Video, in welchem diese in maximal 2-3 Minuten erklärt, wieso sie unsere Stimme verdient. Damit die Videos alle denselben Qualitätskriterien entsprechen, könnte dafür ein temporäres Studio eingerichtet werden.
  • Die Videos aller zur Wahl stehenden Parteien und Gruppierungen werden auf einer speziellen Rubrik auf www.bern.ch aufgeschaltet.
  • Wenn alles bereit ist, senden Sie Stimmbürgern wie mir (die vorher angegeben haben, dass sie Propagandamaterial nur noch elektronisch erhalten möchten) eine E-Mail mit dem Link zu den Videos.

Die Stadt Bern würde nicht nur etwas Gutes für die Umwelt tun. Anhand solcher Videos könnten wir Stimmbürger uns auch schneller einen besseren Überblick über die Programme und Visionen der zur Wahl stehenden Parteien und Gruppierungen verschaffen. Mehr noch, wir würden einen akurateren persönlichen Eindruck von den Menschen gewinnen, für die wir schliesslich unsere Stimme abgeben.

Der soeben skizzierte Einsatz von Videos hätte noch weitere Vorteile. Wenn Sie diese auf einer Plattform wie YouTube hosten, dann könnten sich Stimmbürger die Videos überall zu Gemüte führen. Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, beim Warten auf den Bus oder zu Hause auf dem Sofa. Wie die Daten von Net-Matrix zeigen, ist dies ein echtes Bedürfniss von immer mehr Schweizerinnen und Schweizer.

Nehmen wir an, Sie, liebe Stadt Bern wären vielleicht sogar etwas experimentierfreudig, dann könnten wir Stimmbürger die Videos allenfalls sogar kommentieren und den entsprechenden Parteien, Gruppierung oder Politikern ein paar Fragen stellen. Das Resultat wäre ein Dialog über die Politik in der Bundeshauptstadt. Dazu rufen Sie doch auch sonst immer auf.

Ich bin gespannt, wie viele Propagandasendungen ich noch auf dem Postweg erhalten werde. Zum Glück ist bei uns im Quartier die Papierentsorgung gleich ums Eck.

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