Musik hat in erster Linie ein Wertschätzungs- und kein Streaming-Problem

Ich mag sie nicht mehr hören, die Diskussion darüber, wie viel Geld ein Musiker pro Play auf Spotify, Rdio oder iTunes Match verdient (siehe hier). Diese Diskussion ist müssig, weil sie das wirkliche Problem nicht thematisiert: Die Wertschätzung des handwerklich erstellten Gutes "Musik".

Für ein (wirklich niedliches) handgefertigtes Stofftier bezahlen wir ohne zu Murren 30 USD oder mehr. Wenn's um einen tolles Song geht, ist vielen schon 0.99 CHF zu viel.

 

Das Verhältnis wird umso absurder, wenn man die "handwerklichen" Aufwände für beide Güter miteinander vergleicht.

Aufwände für ein Stofftier (basierend auf Gesprächen mit einer Kollegin, die ähnliche Tiere herstellt)

  • Designvariationen: Sagen wir mal eine Woche pröbeln, bis die perfekte Form gefunden wird
  • Kosten für Stoff & Material: Max. 100 CHF
  • Kosten für Nähmaschine : Occasion ab 200-300 CHF
  • Arbeitszeit für die Erstellung eines Tiers: 4-6 Stunden

Aufwände für einen Song (basierend auf meinen persönlichen Aufwänden für die Herstellung von Songs für meine frühere Band CHOO CHOO)

  • Songwriting: 1-2 Wochen
  • Kosten für Instrumente (für eine Band mit 4 Mitgliedern: 1 Gitarre & 1 Amp, 1 Bass & 1 Amp, Drums & Keyboard): min. 8'000 CHF
  • Einstudieren des Songs mit der Band (min 1 Tag, besser mehr)
  • Aufnahme des Songs in einem Studio (1-2 Tage)
  • Kosten Studio & Produzent: min 1'500 CHF
  • Mischen & Mastern des Songs (1 Tag): min 800 CHF
  • Design & Artwork: ab 200 CHF
  • Konzept & Produktion Musikvideo (1-2 Tage): ab 2'000 CHF

Die obigen Auflistungen sind nicht abschliessend und die genannten Preise können natürlich variieren. Dennoch zeigen die Listen bereits sehr deutlich das Wertschätzungsproblem auf, mit welchem sich das "handwerkliche" Gut Musik seit jeher herumschlägt. Die meisten Menschen sind sich schlicht nicht bewusst, wie viel Arbeit und Investitionen in einem Song stecken. Als Musiker und Songschreiber beschwere ich mich nicht über diese "Wertschätzungsrealität" - ich wundere mich jedoch darüber, dass sie in der Diskussion über die "neue Musikindustrie" selten bis nie thematisiert wird.