Studie: Der Schweizer PR Branche fehlt die digitale Praxiserfahrung

Der Paradigmenwechsel zu Content-Strategien ist eine Riesenchance für die PR Branche

Momentan findet ein Paradigmenwechsel in der Kommunikation von Marken und Unternehmen statt. Der Wechsel weg von absenderfokussierter Kommunikation hin zu nutzer- und nutzenfokussierten Content-Strategien. Die fünf Schlüsselfaktoren, die diesen Wechsel vorantreiben, habe ich hier beleuchtet.

Dieser Paradigmenwechsel im Kommunikationsspielfeld für Marken und Unternehmen ist eine Riesenchance für die PR Branche, wie ich in diesem Beitrag aufgezeigt habe. Allerdings vermag die PR Branche diese Chance nur dann für sich zu nutzen, wenn ihre PR Berater endlich die digitalen Berührungsängste verlieren. Auf gut Deutsch: PR Berater müssen selbst aktiv im täglichen, vom Web getriebenen Spiel um Sichtbarkeit und Relevanz mitmischen. Nur wer selbst mitspielt, lernt das Spiel aktiv mitzugestalten. Und genau darum geht es in dieser neuen Kommunikationsrealität.

Digitale- und Social Media-Experten sind nicht die Lösung

Der entscheidende Punkt ist dabei folgender: Um gegenüber Web-, Werbe- und Social Media-Agenturen die Führungsrolle in diesem neuen Kommunikationsspielfeld zu übernehmen, reicht es nicht, ein oder zwei Experten (Digitale Strategen, Social Media Experten und wie sie alle heissen) einzustellen. Das entscheidende Content-Strategie Know-How sitzt bei den regulären Beratern. Sie sind es, die mit ihrer Arbeit die Umsätze der PR Agenturen generieren. Und sie müssen so schnell wie möglich lernen, wie dieses Know-How in der neuen Kommunikationsrealität wirkungsvoll gespielt werden kann. Um dies zu lernen, kommen sie nicht darum herum, sich selbst aktiv in dieser Kommunikationsrealität zu bewegen.

Die erfolgreichsten Agenturen werden diejenigen sein, die es schaffen alle ihre Kommunikationsberater "digitaler", "sozialer" und "mobiler" zu machen.

Studie: Die digitale Praxiserfahrung der Schweizer PR Branche

In diesem Kontext habe ich in den vergangenen Tagen untersucht, wie aktiv sich die ca. 422* Mitarbeiter der 27 Agenturen des Bunds der Schweizer Public Relations Agenturen auf drei wichtigen Webplattformen bewegen. Ich habe mich dabei auf die folgenden Webplattformen konzentriert:

Google+:

Klar, die eigenen Freunde findet man eher auf Facebook. Um gegenüber Nutzern von Suchmaschinen (Kunden, potentiellen Kunden, Journalisten, Talenten etc.) Sichtbarkeit und Relevanz in einem bestimmten Themengebiet aufzubauen, ist jedoch Google+ die mit Abstand wichtigste soziale Plattform. Google will seinen Suchalgorithmus weniger stark von Linkauthorität abhängig machen und dafür auf nützliche Inhalte und deren Autoren fokussieren. Google+ ist das wichtigste Werkzeug dazu. Wer also etwas davon verstehen will, wie man in Google Sichtbarkeit für bestimmte Themen aufbaut, muss sich mit Google+ auseinandersetzen.

Twitter:

Twitter ist die von Unternehmen, Bloggern und Journalisten am meisten genutzte Social Media Plattform. Im Gegensatz zu Facebook ist Twitter dafür gemacht, Menschen basierend auf gemeinsamen Interessen miteinander zu verbinden, nicht weil sie gemeinsam zur Schule gingen. Wer verstehen will, wie man im Echtzeit-Web, Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit für bestimmte Themen aufbaut, und wer verstehen will welchen Dynamiken Inhalte im sozialen Web unterliegen, der muss sich aktiv mit Twitter auseinandersetzen.

Blog/persönliche Webseite:

Um sich im Web in einem bestimmten Themenbereich zu positionieren, ist ein persönlicher Blog/eine persönliche Webseite immer noch das A und O. Wer einen Blog/eine persönliche Webseite seriös führt, lernt aus erste Hand, was es heisst Inhalte zu erstellen, die einen Nutzen generieren, resp. Besucher anlocken. Wer einen persönlichen Blog zielbewusst betreibt, lernt zu verstehen wie Social Media Aktivitäten auf die eigene Webpräsenz einzahlen. Wer einen persönlichen Blog zielbewusst betreibt, lernt Besucherzahlen und Analytics zu interpretieren und dadurch seine Inhalts-Planung und Inhalts-Erstellung zu optimieren. Aufgaben, wie sie Kunden von einem Kommunikationsprofi verlangen.

Um es gleich vorwegzunehmen. Die Ergebnisse meiner Studie sind ernüchternd. Den Schweizer PR Beratern und damit der Schweizer PR Branche, fehlt die digitale Praxiserfahrung auf matchentscheidenden Webplattformen.

Resultate: persönliche Webaktivitäten von Mitarbeitern der Schweizer PR Agenturen:

  • Auf Google+ sind gerade einmal 3 der 422 Kommunikationsprofis aus der PR Branche aktiv (=0.7%).
  • Auf Twitter sind 56 von 422 Kommunikationsprofis aktiv (= 13.3%).
  • Einen persönlichen Blog/eine persönliche Webseite führen gerade einmal 11 von 422 Kommunikationsprofis aktiv (=2.6%)
  • Auf mindestens einer der Plattformen aktiv sind 61 von 422 Kommunikationsprofis (=14.5%)
Dazu kommt, dass die Inhalte, die da zum Teil publiziert werden, nur selten etwas mit strategischer Themenführung zu tun haben. Überzeugt euch selbst. Ich habe alle Kommunikationsprofis des BPRA auf Google+ in einem öffentlichen Circle zusammengefasst. Hier geht's zum Google+ Circle.
[caption id="attachment_1657" align="alignnone" width="484"]Google+ Circle mit den Mitarbeitern des Bunds der Schweizer PR Agenturen Google+ Circle mit den Mitarbeitern des Bunds der Schweizer PR Agenturen[/caption]
Wer den Kommunikationsprofis der Schweizer PR Branche auf Twitter folgen will, sollte dieser Twitterliste folgen.
[caption id="attachment_1658" align="alignnone" width="710"]Twitterliste mit Mitarbeitern von Agenturen des Schweizer Bunds der Public Relations Agenturen Twitterliste mit Mitarbeitern von Agenturen des Schweizer Bunds der Public Relations Agenturen[/caption]

Resultate: Webaktivitäten der Agenturen.

  • Eine Google+ Seite betreiben gerade einmal 2 von 27 Agenturen (=7.4%)
  • Auf Twitter aktiv sind 8 von 27 Agenturen (=29.6%)
  • Einen aktiven Agenturblog führen gerade einmal 2 Agenturen (=7.4%)
Eine Übersicht über die Resultate meiner Studie gibt die folgende Infografik, die ich mittels Infogr.am erstellt habe:
Der Schweizer PR Branche fehlt digitale Praxiserfahrung | Infographic

Weitere Resultate (wie zum Beispiel eine Rangliste mit den Agenturen, die am meisten Mitarbeiter haben, die sich aktiv auf relevanten Webplattformen bewegen) sowie Einschätzungen und Schlussfolgerungen werde ich in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Zur Methodik der Studie

In meinen Datenerhebungen bin ich wie folgt vorgegangen:

  • Die untersuchten Agenturen: Die 27 Public Relations Agenturen, die auf der Webseite des BPRA ausgewiesen werden.
  • Die untersuchten Mitarbeiter: Die Teammitglieder gemäss Informationen auf den Webseiten der Agenturen. Drei Agenturen, namentlich Farner**, Cohn&Wolfe und Next weisen ihre Mitarbeiter online nicht aus. Bei diesen Agenturen habe ich durch entsprechende Suchabfragen mit den Agentur- und Standort-Namen zu eruieren versucht welche Personen sich online bewegen und mitteilen, dass sie bei diesen Agenturen arbeiten.
  • Aktiv vs. nur präsent: Ich habe mir bei jedem Mitarbeiter angeschaut, ob er überhaupt schon einmal etwas öffentlich auf den untersuchten Kanälen publiziert hat, und falls, ja, wie weit zurück der letzte Beitrag liegt. Hat ein Mitarbeiter noch nichts öffentlich publiziert oder sein letzter Beitrag liegt mehr als einen Monat zurück, dann habe ich ihn als lediglich "präsent" nicht aber "aktiv" eingestuft.
  • Um eine generelle Aussage darüber machen zu können, wie viele Mitarbeiter einer Agentur sich aktiv auf relevanten Plattformen bewegen, habe ich unter "Online auf mindestens einer dieser Plattformen" zusammengefasst, wie viele Mitarbeiter einer Agentur sich total zumindest auf einer dieser Plattformen aktiv bewegen.

*Nicht alle Agenturen weisen ihre Mitarbeiter online aus. Darum ein ungefährer Wert.

**Offenlegung: Ich arbeite ab Januar 2013 für Farner, habe meine eigenen Online-Aktivitäten hier aber noch nicht einfliessen lassen. Farner präsentiert sein Team momentan nicht auf der Webseite. Natürlich weiss ich, wer für Farner arbeitet, ich habe aber lediglich die Mitarbeiter in die Analysen integriert, die ich durch die oben beschriebenen Recherchen identifizieren konnte.

Studie durchgeführt und publiziert von .