Was der ersten Schweizer Facebook Konferenz fehlte

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Letzten Dienstag ging in Zürich die erste Facebook Konferenz der Schweiz über die Bühne. Das halbtätige Programm versprach eine gute Gelegenheit, um mir einen Eindruck davon zu verschaffen, wie Facebook aktuell von Schweizer Kommunikatoren und Marketers eingesetzt und beurteilt wird. Also machte auch ich mich auf den Silhberg und warf mich ins Getümmel. Hier mein Erfahrungsbericht.

Keine Facebook-Müdigkeit in der Schweiz

Von der vielerorts beschwörten Facebook-Müdigkeit war eigentlich nichts zu spüren. Das Sihlschloss war zum bersten voll. 290 Kommunikatoren und Marketers haben 180 Schweizer Franken dafür bezahlt, um einen Nachmittag lang Gesprächen über Facebook als Marketing-Kanal zu lauschen und sich auch in den Pausen rege über den blauen Riesen auszutauschen. Was kriegte man für die 180 Franken?

Ein Nachmittag mit zwei bereichernden Beiträgen

Aus meiner Sicht gab es an der Konferenz genau zwei Beiträge, die wirklich bereichernd waren. Nach einem sehr uninspirierten Einstieg durch seinen Vorredner, hat Dominique von Matt wunderschön aufgezeigt, dass es eigentlich gar nicht um Facebook geht, sondern ums kreative Storytelling oder Content Marketing, das über alle Kanäle und Plattformen funktionieren muss.

Er hat den Zuhörern einige nützliche Tipps mit auf den Weg gegeben und diese auch immer wieder mit Beispielen untermauert. Zu seinen Tipps gehörten unter anderem Folgende:

  • Seien sie kreativer. Nur die besten, kreativsten (und ich würde anfügen nützlichsten) Inhalte erhalten noch Aufmerksamkeit. Beispiel: Silly Stuff. It matters.
  • Konzentrieren Sie sich bei allen Kommunikationsmassnahmen von Anfang an voll und ganz darauf Menschen mit Ihrer Kommunikation zu aktivieren. Es ist heute nicht mehr ein Nice-to-Have, dass ihre Inhalte geteilt werden, es ist ein Must. Was nicht geteilt wird, wirkt nicht.
  • Konzipieren Sie starke Geschichten, dann wird ihre Kommunikation automatisch Crossmedial. Eine starke Geschichte gibt automatisch auf allen Kanälen zu reden. Beispiel: Rivella.
  • Nutzen sie Social Media, um ihre Marke erlebbar zu machen.
  • Nutzen Sie branded Entertainment.
  • Machen Sie keine falschen Versprechungen.
  • Helfen Sie dem Kunden bessere Entscheidungen zu treffen.

Daniel Graf von Feinheit hat in seinem Workshop verständlich gemacht was Shitstorms meistens wirklich sind: Kampagnen. Oftmals professionell geplant. Er gab nützliche Tipps dazu, wie diesen am besten zu begegnen ist. Seinen Workshop habe ich in 2 Vine Videos zusammengefasst:

https://twitter.com/danieljoerg/status/311476605312700417
https://twitter.com/danieljoerg/status/311482996106600449

Das war's dann aber auch schon mit den Highlights.

Keine ganzheitliche Betrachtung und unseriöse Empfehlungen

Gemäss Eigenaussage richtete sich die Konferenz an folgendes Publikum:

"Angesprochen sind Unternehmen und Organisationen, die Facebook als Marketing Kanal nutzen möchten. Wir bieten all jenen eine Plattform, die sich für die professionelle Anwendung von Marketing auf Facebook interessieren"

Aber genau hier liegt die Krux. Für einen professionellen Einsatz von Facebook braucht es auch erstmal eine Auseinandersetzung mit dem Stellenwert von Facebook im Gesamtkommunikations- und Marketingmix eines Unternehmens oder einer Marke.

Facebook, wie alle anderen Social Media Plattformen, sind richtig eingesetzt ein sehr wichtiges und bereicherndes Element einer jeden Marketing- und Kommunikationsstrategie. Sie sind aber nie das wichtigste Standbein derselben. Erfolgreiche Online Marketers wissen, dass im Zentrum der Marketing- und Kommunikationsstrategie immer die eigene Webseite und eine solide Content Strategie stehen muss.

An der Facebook Conference wurde diese Betrachtung nicht nur ausgeblendet, im Rahmen eines Workshops wurde sogar ernsthaft empfohlen, dass man die eigene Webseite vergessen und voll und ganz auf Facebook Seiten setzen soll. Das ist nicht nur kurzsichtig, das ist schlicht unseriös. Noch fast schockierender als diese Aussage ist die Tatsache, dass sie unter den Teilnehmer keine wirklichen Reaktionen auslöste. Unter erfahrenen Online Marketers auf Twitter hat es zu reden gegeben.

 

Für Konsumenten ist Google bei fast allen Kauf- und Informationsprozesse die erste Anlaufstelle. Wer sich positionieren will, muss auf Google sichtbar sein. Was es braucht sind integrierte Ansätze und Strategien. In solchen spielt Facebook natürlich eine Rolle, Facebook ist aber nicht die Strategie. Genau diesen Eindruck vermittelte die Konferenz aber.

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