Wieso Hashtags URLs aus der Werbung verdrängen werden

Im Mai war ich drei Wochen in den USA unterwegs. Mit dem Auto von San Francisco nach Seattle. Auf unserem Roadtrip konnte ich nicht nur die wunderschöne Natur des Nordwestens bewundern, sondern mir auch einen guten persönlichen Eindruck von aktuellen US-amerikanischen Trends in Sachen Popkultur, Digital Lifestyle und Marketing verschaffen.

Hashtags in der Werbung: Von der Ausnahme zur Regel in nur einem Jahr

Besonders aufgefallen ist mir, wie omnipräsent Hashtags bereits im US-amerikanischen Alltag sind. Bei uns ist es noch die Regel, dass am Schluss eines TV Spots eine entsprechend URL angegeben wird, auf welche die Konsumenten gelenkt werden. In den USA sind Hashtags drauf und dran der URL den Rang abzulaufen. Sowohl in der Fernsehwerbung wie auf Plakaten oder in Kinospots.

Vor rund einem Jahr war Nike noch die Ausnahme. Ein Jahr später werden in den USA zur Primetime bereits mehr TV Spots mit Hashtags als mit URLs ausgestrahlt. Ein ziemlich imposanter Siegeszug, den die Raute da hinlegt.

Drei Gründe für den rasanten Siegeszug von Hashtags in der Werbung

Macht man zwei Schritte zurück und betrachtet welche Funktionen Hashtags eigentlich erfüllen, dann ist dieser Siegeszug nicht mehr ganz so überraschend. Ein Hashtag ist schlicht und einfach die momentan beste Art und Weise, um Konversationen rund um Themen über diverse Kanäle zu organisieren.

Ich glaube drei grundlegende Vorteile identifiziert zu haben, die den Hashtags in Werbungen auch bei uns zum Sieg gegenüber der klassischen URL verhelfen werden:

  1. Hashtags in Werbungen überlassen allen Konversationsteilnehmern die Kanalwal:  Hashtags funktionieren sowohl auf Twitter, Instagram oder Tumblr, Google+, Vine und wohl schon bald auch auf Facebook. Marken, die Hashtags einsetzen, lassen allen Beteiligten die Wahl, wo diese sich mit markenrelevanten Inhalten auseinandersetzen wollen, und sie erlauben es Marken, Konversationen über verschiedene Kanäle hinweg zu führen.
  2. Hashtags in Werbungen machen Marken und Konsumenten zu Partnern auf Augenhöhe: Marken, die nicht mehr auf Landingpages, sondern auf Hashtags verweisen, beweisen, dass sie nicht mehr den unrealistischen Anspruch haben zu kontrollieren, was und wie über sie gesprochen wird. Sie vertrauen darauf, dass ein offener Austausch für alle Beteiligten einen grösseren Mehrwert generiert. Das ist aus Sicht des Konsumenten ein Vertrauensbeweis. Die Marke ruft in der Primetime zu einem Austausch auf Augenhöhe auf.
  3. Hashtags in Werbungen generieren Themenverbindungen - nicht bloss einmalige Transaktionen (Visits, Klicks etc.):  Diesen Punkt betont Twitter in folgendem Video sehr schön: Hashtags in TV Spots können der Anfang eines längeren Austausches sein. Aber eben nur wenn es der Marke gelingt ein relevantes Gesprächsthema anzustossen. Um die Chance zu erhöhen, dass ein TV Spot zum Anfang einer Konversation wird, hat Twitter das Werbeangebot TV Ad Targeting lanciert.

Gut gelungen ist das zum Beispiel Nike mit dem Hashtag #makeitcount. Der Hashtag wurde 2012 im Rahmen der Einführungs des Fuelbands lanciert, und wird noch heute äusserst rege verwendet, wie eine kurze Recherche auf Topsy zeigt:

[caption id="attachment_2546" align="alignnone" width="720"]Topsy Analytics - #makeitcount wird immer noch sehr rege genutzt Topsy Analytics: #makeitcount wird immer noch sehr rege genutzt[/caption]

Das rasante Tempo, mit dem Hashtags in der amerikanischen Werbung den klassischen URL Abbinder verdrängt haben, ist bemerkenswert, ist aber bei genauerer Betrachtung, wie oben skizziert, nicht wirklich erstaunlich. Umso erstaunlicher ist es jedoch, wie wenig Erfolg die Raute hierzulande noch feiert. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich das rasch ändern wird - spätestens dann, wenn auch Facebook Hashtags integriert.

Publiziert von . Titelbild von Jasoninhollywood. Dieser Artikel erscheint sowohl hier wie drüben bei FARNER.